Familien-Sommerfreizeit

Die Familienwanderfreizeit führte in diesem Jahr vom 28.8. bis 4.9. ins Riesengebirge nach Tschechien.

Hier ein ausführlicher Bericht von Frau Susanne Just:

Gemeinsam wandern, singen und besinnlich einkehren – die Erkundung des Riesengebirges auf der Wanderfreizeit evangelischer Gemeinden aus Regensburg
Begeisternd, erholsam, inspirierend – das war die Wanderfreizeit im Riesengebirge (tschechisch Krkonoše), die von dem Pfarrerehepaar Cordula Winzer-Chamrád und Petr Chamrád initiiert wurde. Die 8-tägige Reise stellte eine neue Kooperation dar und griff auf die gewachsene Tradition der Lukaskirchengemeinde zurück. Das Angebot stieß auf großes Interesse, so dass sich 17 Teilnehmer*innen aus fünf verschiedenen evangelischen Regensburger Kirchengemeinden - St. Lukas, St. Johannis, St. Markus, St. Matthäus und der Dreieinigkeitskirche anmeldeten.
Die etwa 400 km weite Anfahrt von Regensburg nach Strázne bewältigten die Teilnehmer in bunt zusammen gewürfelten Fahrgemeinschaften, bei denen schon während der Fahrt intensive Kontakte geknüpft wurden und ein reger Austausch stattfand.
Immer schmaler wurden Straßen und Wege bis die Autos das 770 m. ü. M. liegende Erholungsheim Horský domov (Bergheim) der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder in Herlikovice (Hackeldorf) erreichten. Unsere Reisegruppe war im Haupthaus Bergheim und im Nebengebäude Vokurka untergebracht. Geführt wird das Freizeitheim von Olga und Benjamin Klinečtí, die unsere Gruppe vom Frühstück bis zum abendlichen Schlummertrunk professionell versorgten. Mit knusprigen Brötchen, Setzeiern und Würstchen, Käse, Wurst, Marmelade und Müsli, Quark, Kaffee, Tee und Saft war der Start in den Wandertag perfekt. Zum Ausklang des Tages gab es gutes tschechisches Bier, Wein und alkoholfreie Getränke.
Am Ankunftstag wurden wir mit einem stärkenden Abendessen begrüßt. Pfarrer Petr Chamrád, der von frühester Jugend Sommerurlaube mit Eltern und später als Pfarrer Jugendfreizeiten hier verbrachte, kennt die Gegend wie seine Westentasche. So wurden am ersten Abend Pläne für die kommende Woche gemacht. Zwei Highlights, die wir auf jeden Fall besuchen wollten, standen schon fest: die Elbquelle (pramen Labe; 1386 m) und der höchste Berg des Riesengebirges, die Schneekoppe (Sněžka) mit 1605 Metern.
Ehrengard Brüninghaus von der Gemeinde St. Markus beschreibt unser Programm so: „Jeden Tag wurde gewandert, rund um Herlikovice oder auch in der weiteren Umgebung. Wir besuchten den Kurort Jansky Lazne / Johannisbad, den Waldwipfelweg nahebei und fuhren mit der Seilbahn auf den Cerna Hora/ Schwarzberg. Vom dortigen Aussichtsturm sahen wir zum ersten Mal die Schneekoppe und durchs Fernglas viele, viele Menschen dort oben. Wir wanderten vom Medvedin/Bärenberg hoch über Spindlermühle/Spindleruv Mlyn zur Elbquelle. Groß war der Durst, als wir neben der in Stein gefassten Quelle Rast machten. Daneben fotografierten wir Mosaik-Wappen aller Städte, die an der Elbe/Labe liegen, von Spindlermühle bis Cuxhaven. War die Quelle noch fast ausgetrocknet, so sammelten sich schnell die Elbgewässer zu einem stattlichen Bach. Steil ging der Pfad unendlich lang bergab mit herrlichen Blicken auf Wasserfälle und die tiefe Elbschlucht."
Die Tagesausflüge und jeweiligen Wanderungen boten verschiedene Schwierigkeitsgrade, denn nicht jeder oder jede wollte oder konnte 15 bis 20 km wandern. Wir hatten schönstes Sommerwetter und wanderten meistens fernab touristischer Routen. Wir genossen die Natur auf einsamen Waldpfaden, an rauschenden Bächlein, spektakuläre Talblicke und unberührte Heidelbeerfelder in schattigen Wäldern.
Aber auch die Ess-Kultur kam nicht zu kurz: im Kurbad Johannisbad (Janske Lázne) gönnten wir uns im Jugendstilambiente des Colonaden Cafes Kaffee, Kuchen und Eis. Wir erfuhren auf dem Baumwipfelpfad Lehrreiches über Flora und Fauna des Riesengebirges, besuchten Vrachlabí, das kulturelle Herz des Riesengebirges mit seinem barocken Augustinerkloster (gegr. 1705), seinem Renaissanceschloss mit Schlosspark und vielen historischen Häuser aus dem 17. Und 18. Jahrhundert.
Beim abendlichen Zusammensein standen Vorträge und Filme auf dem Programm. Den Abschluss des Tages bildete eine Andacht, die von verschiedenen Teilnehmern vorbereitet wurde. Sehr interessant war der Lichtbildervortrag über die Geschichte der Böhmischen Brüder von Pfr. Chamrád. Pfarrerin Winzer-Chamrád hatte einiges über den sagenumwobenen Rübezahl vorbereitet, eine Figur, die sogar Pate für Tolkiens Gandalf stand. An den Abenden wurde viel gesungen verstärkt durch die Klavierbegleitung von Siegfried Schricker, den mitgereisten Organisten.
Am Sonntag feierten wir einen deutsch-tschechischen Gottesdienst in dem bezaubernden Jugendstilkirchlein, das 1902 erbaut wurde. Pfarrer Chamdrád hatte hier schon als Jugendlicher bei der Restaurierung der Kirche geholfen. Leider fehlen noch die Glocken. Sie waren während des Krieges eingeschmolzen worden.
Nachdem der darauffolgende Montag verregnet war, hofften alle, dass sich das Wetter bessert und wir am letzten Tag unsere Wanderung auf der Schneekoppe machen konnten:
„Und am letzten Tag war der Himmel wieder strahlend blau und das Wetter für die 1605 m hohe Snezka/ Schneekoppe ideal. Eine bequeme Gondelbahn brachte uns von Spindlermühle/Spindleruv auf den Gipfel zu einer klaren, weiten Aussicht in alle Richtungen. Hier wanderten die einen auf einem Rundkurs, die anderen über die Lucny Bouda/Wiesenbaude und die Klinovka Bouda wieder bergab durch das wildromantische Klinovy dul/Klinovbachtal." (Ehrengard Brüninghaus)
Die Reise nach Tschechien – darüber waren sich alle Teilnehmer*innen einig - war ein ganz wunderbares Erlebnis. Auch für mich wird diese Reise eine bleibende Erinnerung sein. Besonders in der weiten, manchmal rauen, Landschaft des Riesengebirges, konnte ich mich auf die ursprünglichste Form des Wanderns besinnen: Wallfahrten und Pilgern.
Beim Wandern in überwältigender Natur konnte ich meinen Gedanken nachhängen oder anregende Gespräche führen. Ich konnte die Strecke im eigenen Geh-Rhythmus erobern, die Schönheiten der von Gott geschaffenen Natur, der Landschaft und die Sonne genießen. Wandern bedeutet eine Landschaft körperlich erfahren, was natürlich auch bedeutete am Abend müde und erschöpft zu sein und am nächsten Tag Knochen und Muskeln zu spüren. Die Wanderungen bedeuteten auch ein Stück Einkehr und Besinnung, eine Gemeinschaft freundlicher, herzlicher Menschen zu erleben und eine Entschleunigung des hektischen Alltags zu erfahren.
Vielen Dank Cordula Winzer-Chamrád und Petr Chamrád, vielen Dank den Mitreisenden für diese Wanderfreizeit!


Ehrengard Brüninghaus und Susanne Just